Kommunikation in der neuen Welt der Zusammenarbeit
Mit Scrum ist alles anders?!
Ich bin seit knapp 30 Jahren Kommunikationstrainer und Konfliktlösungsberater und Persönlichkeitsentwicklungscoach und dachte eigentlich, ich kenne alle Konflikte. [Na gut, fast alle.]
Aber als mir in meinen Konfliktmanagement-Seminaren für Projektleiter immer öfter Teilnehmer erklärten, sie würden agil arbeiten und mit den Konflikt-Szenarien der anderen Teilnehmer könnten sie nichts anfangen und mit meinen Bewältigungsstrategien auch nicht, bei ihnen sei alles anders – da wurde ich nachdenklich.
Um das genauer zu verstehen habe ich erst einmal einen SCRUM-Workshop besucht, mich in der Szene etwas umgeschaut und zum Schluss auch noch die Zertifizierungen zum PSM und PSPO abgelegt. Ich dachte, das könnte nicht schaden.
Der Idealfall hatte mich sofort überzeugt: Ein aufgeschlossenes Management überträgt einem Product Owner die volle Verantwortung für ein anspruchsvolles Projekt und lässt ihn in Ruhe arbeiten. Vor den Interventionen anderer Stakeholder brauchen die Vorgesetzten den PO nicht zu schützen, weil auch diese hell begeistert vom Prozedere sind, an das Ergebnis glauben und sich engagiert in den Scrum-Prozess integrieren. Der Scrum-Master ist ein kommunikativ und sozial exzellent ausgestatteter, liebenswerter Kümmerer, der leider kaum zum Einsatz kommt, weil das hochmotivierte Team sich selbst in einem Tempo entwickelt, dass er kaum nachkommt.
Und der worst case? Agiles Arbeiten als formal verstandene Modeerscheinung, ein nicht abgeben könnendes Management, lösungsvorschreibende Stakeholder, ein sich immer noch als PL fühlender PO, ein nicht wissender oder sich nicht trauender SM, beide waren tolle Technik-Einzelkämpfer und trauern diesem Job immer noch nach, eine zusammengewürfelte Truppe von Individualisten ohne Teamgedanken…
Ein wenig von einem reicht schon für schlaflose Nächte, aber meist kommt immer noch was anderes dazu.
Unterm Strich bleiben ein Scrum Master und Product Owner ohne formelle Macht über das Entwicklerteam, aber mit einer dringenden und schwierigen Aufgabe. [Genau für diese Situation hatte ich vor einiger Zeit Columbos Regeln® entwickelt.] Und von all dem verstehen Nicht-Scrummer im Training kein Wort, nichts von den Begriffen, den Prozessen, den Problemen.
Für eine Lernsituation ist das alles sehr ungünstig. Deshalb mache ich erstens separate Veranstaltungen für die Scrum-Gemeinde mit zweitens speziell zusammengestellten Themen und Bewältigungsstrategien. Mehr dazu auf den folgenden Seiten.