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Paul Watzlawick und die 5 Axiome

Wer verstehen möchte, wie Kommunikation funktioniert, kommt an Watzlawicks 5 Axiomen der Kommunikation nicht vorbei.

Der österreichische Kommunikationswissenschaftler, Psychotherapeut, Psychoanalytiker, Soziologe, Philosoph und Autor Paul Watzlawick [1922-2007] entwickelte in seinem Werk Menschliche Kommunikation: Formen, Störungen, Paradoxien eine Kommunikationstheorie mit fünf pragmatischen Axiomen beziehungsweise Grundannahmen.

Wie der Buchtitel schon verrät, wurden diese Grundprinzipien interessanterweise nicht bei der Beobachtung von guten Gesprächen entdeckt. Sie wurden gefunden bei der Ursachenforschung zu der Frage, was erfolgreiche Kommunikation verhindert. Es geht also um genau die Punkte, die auch Sie geschickt umschiffen wollen.

1. Axiom: Man kann nicht nicht kommunizieren!
Das wohl bekannteste der fünf Axiome bedeutet, dass man immer etwas mitteilt, auch wenn man nichts sagt. Wer nichts sagt oder sich einer Kommunikation noch stärker verweigert, sagt gerade damit sehr deutlich, dass er nicht kommunizieren will, gerade jetzt nicht, mit der Person nicht oder in der Situation nicht. Man sagt folglich immer etwas, ob man will oder nicht. Nichts zu sagen ist also auch eine klare Aussage, die in der Regel allerdings anders ankommt als erhofft. Für bessere Antwort-Alternativen brauchen wir das nächste Axiom.

2. Axiom: Jede Kommunikation hat einen Inhalts- und einen Beziehungsaspekt, derart, dass letzterer den ersteren bestimmt.

Der Inhaltsaspekt bezeichnet die Sachebene des Gesprächs, die offensichtlich ausgetauschten Informationen: Das Wetter, der Urlaubstipp, das neue Projekt, die Expansionsziele, der Stand der Krisenbewältigung …

Der Beziehungsaspekt beschreibt, wie die Beteiligten das Verhältnis zueinander sehen: Freund oder Feind, Partner oder Konkurrent, Chef, Untergebener oder Kollege …

Wie Sie eine Beziehung empfinden, drücken Sie unterschwellig über zwei Elemente aus, den Appell und die Selbstoffenbarung. Jede Äußerung enthält immer auch Aspekte eines Appells; Ich möchte, dass du etwas Bestimmtes machst oder nicht machst, ich möchte, dass du etwas Bestimmtes glaubst oder nicht glaubst. Jede Äußerung enthält ebenfalls immer auch Aspekte der Selbstoffenbarung: Ich möchte, dass du mich in einer bestimmten Art und Weise siehst. Wie direkt oder versteckt der Appell oder die Selbstoffenbarung formuliert werden, ist nur eine weitere Nuance der Beziehungsgestaltung.

Es gibt also keine reine, beziehungslose Sachinformation, es schwingt immer eine bestimmte Beziehungsqualität mit. Auch ein sachliches Verhältnis ist eine Beziehung und „keine Beziehung” ist nur der Ausdruck einer bestimmten Qualität.

Ihre Beziehung, Ihre Gefühle, Ihre Einstellung zu einer Person wirken wie ein Filter. Er bestimmt, welche der Sachinformationen überhaupt eine Chance bekommen, zu Ihnen zur weiteren Verarbeitung durchzudringen. Ein Beispiel zur Verdeutlichung: Ein Kind hört nicht auf, sich vor Monstern zu fürchten, nur weil der Vater ihm sachlich erklärt, dass es keine Monster gibt und deshalb kein Grund zur Angst besteht. Erst müssen das Kind auf den Schoß genommen, der Arm um die Schulter gelegt, die Tränchen getrocknet und der Adrenalinspiegel gesenkt werden. Das dauert. Und erst dann kann man darüber reden, was man am besten macht, wenn die Monster wieder kommen. Bei den Großen ist es nicht anders. Erst müssen die Gefühle akzeptiert werden, bevor über die Sachlage gesprochen werden kann.

Wenn Sie sich intensiver mit diesem Thema beschäftigen wollen, empfehlen wir auch die Lektüre von Miteinander Reden von Friedemann Schulz von Thun.

Die Stimmung bessert sich auch nicht automatisch, nur weil die Gefühle der anderen Seite auf falschen Annahmen beruhen könnten und somit unnötig wären. Wer in dieser Situation sachlich argumentiert, ohne die Gefühlslage öffentlich zu akzeptieren, redet an den Beunruhigten vorbei. Wer auch noch denjenigen verteufelt, der die Befürchtungen öffentlich gemacht hat, verstärkt nur die Unannehmbarkeit der eigenen Argumente – egal wie richtig sie sind.

Das primäre Ziel von bewusster Kommunikation ist damit die Entwicklung der Beziehung Ihres Gesprächspartners zu Ihnen. Er soll Ihnen offen und aufgeschlossen zuhören. Er soll sich gerne mit Ihnen unterhalten wollen. Er soll Sie so wahrnehmen, wie Sie es gerne hätten. Kommunikation ist damit Beziehungsmanagement und am Ende Wahrnehmungsmanagement.

3. Axiom: Die Natur einer Beziehung ist durch die Interpunktion der Kommunikationsabläufe seitens der Partner bedingt.

Interpunktion oder Zeichensetzung ist ein Begriff aus der Schriftsprache und bedeutet, dass die Interpunktion die Struktur und den Sinn einer Aussage beeinflusst. Nehmen wir den Satz: „Ich will dass Sie Meier das Schwein fangen.” Je nachdem, wo Sie die Kommata setzen, wird entweder Meier oder das Schwein die Freiheit verlieren.

Interpunktion in der Kommunikation meint die Struktur eines Gesprächs. Die individuelle Wahrnehmung der Struktur eines Gesprächs verändert seine Bedeutung. Die Perspektive bestimmt das Bild. Wer hat angefangen? Wer hat Recht? Wer ist schuld? Das sind Fragen, die von den Beteiligten in der Regel unterschiedlich beantwortet werden. In der Konsequenz redet man gegeneinander und nicht miteinander.

Die Nummer mit dem Frühstücksei aus Loriots Szenen einer Ehe beginnt so harmlos mit „Bertha, das Ei ist hart” und endet aus scheinbar unerfindlichen Gründen mit „Ich bring sie um, morgen bring ich sie um!” Natürlich hat der Zwist irgendwann in der Ehe oder sogar noch davor angefangen und sich langsam aber sicher zu diesem Ritual stilisiert.

Das faszinierend Verstörende an privaten und öffentlichen Debatten ist oft, das man nicht mehr sagen kann, womit alles eigentlich angefangen hat. Der Ehekrach, der Riss in der Freundschaft, die verbissenen Positionen gesellschaftlicher Repräsentanten in der Öffentlichkeit oder die vergiftete Stimmung zwischen Ländern oder Kulturen. Jede Seite hat da ihre eigene Sicht auf Schuld und Sühne und ihre eigenen Hypothesen, warum wer was gemacht hat. Auch Loriots Bertha würde mit ihrem Mann da ganz sicher nicht auf einen grünen Zweig kommen. Vermutlich ist sie in seinen Augen nicht mal ansatzweise perfekt, so kann man doch keinen Haushalt führen. Und in ihren Augen nörgelt er wohl ewig rum, ist mit nichts zufrieden. Unterschiedliche Interpunktion.

Die Perspektive bestimmt das Bild. Der Perspektivwechsel verändert das Bild. Wer in der Lage ist, über seinen Schatten zu springen und die Perspektive der anderen Seite einzunehmen, kann zweierlei erreichen. Er kann einerseits feststellen, dass die Argumente der Anderen auch nicht so falsch sind. Andererseits kann er durch diesen Akt des guten Willens [Beziehungsgestaltung] die Anderen dazu bringen, ihre Verteidigungshaltung aufzugeben und anzufangen, miteinander zu diskutieren.

Wer ist der Chef und wer hat Schuld? Wenn die Beteiligten diese beiden Fragen zu ihrer Rolle im Prozess unterschiedlich wahrnehmen, verläuft die Kommunikation wesentlich anders als bei übereinstimmender Einschätzung. Kommunikation ist ein Kreislauf, ein Hin und Her, das sich in gefährliche Höhen aufschwingen kann, wenn man nicht aufpasst. Was jemand sagt, ist die Reaktion auf den Vorredner, die Wirkung. Es ist gleichzeitig wiederum Auslöser und Ursache für die Reaktion des Anderen. Ein Wort gibt das andere.

Sie kennen den Begriff der sich selbst erfüllenden Prophezeiung. Die Interpunktion, Ihre Lesart des Gesprächs, die Vermutung über das beabsichtigte Gesprächsziel der anderen Seite ist die Ursache für das tatsächliche Gesprächsergebnis. Wenn Sie der Meinung sind, der Andere will Sie aufs Kreuz legen, dann werden Sie jede seiner Fragen so interpretieren. Sie werden selbst hinter der freundlich gemeinten Erkundigung, wie es ihnen geht, eine versteckte Provokation wittern und entsprechend antworten. Der Andere wiederum reagiert darauf leicht irritiert. Ein Satz ergibt den nächsten. Am Ende hat sich Ihre Vermutung wieder mal bestätigt. Gut dass Sie so vorsichtig waren, dadurch konnten Sie Schlimmeres verhindern.

Die einzig mögliche Lösung liegt in allen Fällen in einem Schnitt, einem Reset. Eine von beiden Seiten muss bei null anfangen, das Gewesene abhaken und hinterfragen, was der Andere tatsächlich gemeint hat und was man selbst besser machen könnte. Das ist in der Regel eine leidensvolle Vorleistung, denn die andere Seite wird sicher noch eine Weile brauchen, um ihre Wunden zu lecken. Am besten gleich offener herangehen.

4. Axiom: Menschliche Kommunikation bedient sich analoger und digitaler Modalitäten.

Im zweiten Axiom ging es mit der Sach- und Beziehungsebene um die Inhalte der beiden Ebenen: Sachverhalte und Kommunikationsbeziehung. Im vierten Axiom geht es nun um die Art, mit der die Inhalte auf den beiden Ebenen transportiert werden. Dabei wird zwischen analoger und digitaler Datenübertragung unterschieden. Die Informationen auf der Sachebene werden digital vermittelt, die Informationen auf der Beziehungsebene vorwiegend analog. [Die Begriffswahl erfolgte in den 60ern, in einer Zeit, als viele Erklärungsmodelle das Prinzip Computer benutzten. Heute würde man das vielleicht anders nennen.]

Die analoge Kommunikation funktioniert mithilfe von Darstellungen, Zeichnungen, Bildern, aber auch durch Gestik und Mimik. Sie dient der sprachfreien Übermittlung von Bedeutungen und emotionalen Färbungen und ist hochgradig interpretierbar. Viele gestische und mimische Ausdrücke sind grundsätzlich doppeldeutig. Watzlawick erinnert daran, dass Tränen Ausdruck von Schmerz oder Freude sein können. Die geballte Faust kann Drohung oder Selbstbeherrschung bedeuten, ein Lächeln kann Sympathie oder Verachtung ausdrücken, Zurückhaltung kann als Takt oder Gleichgültigkeit offenbaren.

Digital meint hier ein klares Symbolsystem aus Worten und Sätzen [Semantik und Syntaktik], um Sachverhalte klar zu beschreiben: Katze, Tisch, Haus. Jedes Fachgebiet hat seine eigene Spezialsprache, die Außenstehenden wie Marsianisch vorkommen muss. Das ist aber kein Problem, solange die Kollegen unter sich sind, genau dafür wurden die Sprachen ja erfunden, um sachlich, präzise und emotionsfrei Dinge, Strukturen und Prozesse zu beschreiben.

Schwierig wird es nur, wenn die verwendeten Begriffe nicht allen Gesprächsteilnehmern vertraut sind. Es kann zwar sein, dass alles richtig ist, was der Spezialist sagt, dass ihn aber trotzdem niemand versteht. Es kann auch sein, das ihm durch das Denken in der Fachsprache der passende emotionale Zugang fehlt, um bei den Zuhörern Glaubwürdigkeit zu erzeugen. Schwierig wird es auch, wenn der Abstraktionsgrad der Begriffe sehr hoch ist, wie bei Freiheit, Gerechtigkeit, Liebe etc. Da besteht die Gefahr, dass sich jeder zu einer anderen Interpretation gelangt.

Da jede Kommunikation immer gleichzeitig auf der Sach- und Beziehungsebene stattfindet, kommunizieren wir unweigerlich auch immer gleichzeitig digital und analog.

5. Axiom: Zwischenmenschliche Kommunikationsabläufe sind entweder symmetrisch oder komplementär, je nachdem, ob die Beziehung zwischen den Partnern auf Gleichheit oder Unterschiedlichkeit beruht.

Die Vielfalt der Konstellationen auf der Beziehungsebene lassen sich nur zwei verschiedenen Grundmustern zuordnen. Entweder sind die Partner gleichberechtigt und die Kommunikation erfolgt symmetrisch. Oder die Partner sind nicht gleichberechtigt, dann verläuft die Kommunikation komplementär, zum Unter gehört der Ober.

Das ist soweit kein Problem. Die Partner akzeptieren ihre jeweilige Position und agieren entsprechend. Das wirkliche Problem entsteht, wenn die Seiten ihre jeweiligen Positionen unterschiedlich sehen oder Positionszuweisungen nicht akzeptieren. Wenn unterschiedliche Vorstellungen darüber bestehen, wer jetzt Unter und Ober ist oder wenn einer der faktisch gleichberechtigten Partner einer Situation diese nicht anerkennt und sich oder den anderen zum Unter machen will, dann eskaliert die Situation entsprechend der kulturellen Muster mehr oder weniger schnell und intensiv. Denn dann geht es erst einmal darum, wer Recht haben darf, damit der dann entscheiden kann, wer Recht bekommt.
Der Beziehungsaspekt beschreibt das Verhältnis der Beteiligten zueinander also in drei Dimensionen.

  • Die Position, die die Gesprächspartner zueinander einnehmen: Betrachten Sie sich als gleichberechtigt? Steht einer klar über oder unter dem anderen? Stellt sich einer über oder unter den anderen?Beziehungsbalance
  • Das Maß von Nähe und Distanz zwischen den Beteiligten: Ist es ein kühles, distanziertes Gespräch, erleben wir professionelle Sachlichkeit, wird vertrauliche Nähe aufgebaut, kennen die Beteiligten sich schon ewig?
  • Die Dynamik in den beiden ersten Dimensionen: Wie geht der Andere mit dem Beziehungsangebot oder dem Beziehungsanspruch des einen um? Werden Nähe oder Position akzeptiert oder zurückgewiesen, findet eine einmalige Korrektur statt oder ein permanenter Kampf um das richtige Verhältnis? Ist es ernst gemeint oder ist es gut gespielt?

Alles, was Ihnen sonst noch an beziehungsbeeinflussenden Aspekten einfällt, resultiert aus Vorurteilen über die Person, deren Beruf oder sonstige Zugehörigkeiten. Hinzu kommen Erfahrungen aus Beobachtungen oder aus gemeinsamen Erlebnissen mit dieser Person– und den damit verbundenen Gefühlen.

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